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Prüfstandstechnik · Wissen

Drehmomentmessung im Prüfstand — präzise und dauerlauffest an rotierenden Wellen

Auf dem Prüfstand zeigt sich, wie ein Antrieb unter realen Lasten arbeitet. Drehmomentdaten sind eine zentrale Grundlage für Wirkungsgrad, Lastverhalten, Regelung, thermische Bewertung und Betriebsfestigkeit.

Ob E-Motor, Getriebe, Antriebsstrang oder Komponente im Dauerlauf: Entscheidend ist eine Messkette, die über viele Lastwechsel, Drehzahlbereiche und Betriebsstunden stabil bleibt.

Die Herausforderung liegt meist an der rotierenden Welle. Dort sitzt die Messstelle, während Auswertung, Datenerfassung und Prüfstandsautomatisierung stationär daneben arbeiten. Kontaktlose DMS-Telemetrie verbindet beide Seiten ohne verschleißende Schleifkontakte.

Reproduzierbare Drehmomentdaten

Kontaktlose Energie- und Datenübertragung

Für dynamische Lastwechsel und Dauerlauf

Analog- oder CAN-Anbindung je nach System

Wo im Prüfstand Drehmoment gemessen wird

„Prüfstand“ ist ein Sammelbegriff. Je nach Prüfobjekt unterscheiden sich Messstelle, Dynamik, Umgebung und Auswertungsziel.

E-Motoren- und E-Antriebsprüfstände

Drehmoment über Lastwechsel, Rekuperation und hohe Drehzahlen in elektromagnetisch anspruchsvollen Umgebungen.

Getriebeprüfstände

Eingangs- und Ausgangsdrehmoment zur Bewertung von Wirkungsgrad, Verlusten, Lastkollektiven und Bauteilbelastung.

Antriebsstrangprüfstände

Drehmoment entlang des realen Lastpfads, häufig zusammen mit Drehzahl-, Temperatur- und Zustandsdaten.

Komponenten- und Dauerlaufprüfstände

Betriebsfestigkeit von Wellen, Kupplungen, Lagern und rotierenden Baugruppen über lange Laufzeiten.

Verbrennungs- und Hybridprüfstände

Drehmomentmessung unter thermischer Last, Vibration und wechselnden Betriebszuständen.

Allen Prüfständen gemeinsam ist die rotierende Messstelle. Das Grundprinzip der berührungslosen Übertragung erläutert die Seite Kontaktlose Drehmomentmessung.

Warum Drehmoment die zentrale Messgröße ist

Drehmoment zeigt, wie ein Antrieb Last aufnimmt, überträgt und über Zeit belastet wird. Deshalb gehört es zu den wichtigsten Größen für Entwicklung, Validierung und Freigabe.

Wirkungsgradanalyse

Der Vergleich von Ein- und Ausgangsdrehmoment macht Verluste und Wirkungsgrade von Getrieben, E-Antrieben und kompletten Antriebssträngen bewertbar.

Lastdynamik und Regelverhalten

Bei Lastwechseln, Beschleunigungsrampen, Rekuperation und transienten Betriebspunkten zeigt das Drehmoment, wie schnell und stabil das Prüfobjekt reagiert.

Betriebsfestigkeit

Drehmoment-Zeit-Verläufe machen Belastungsspitzen, Lastkollektive und Wechselbeanspruchungen für Lebensdauerbewertungen sichtbar.

Prüfstandsregelung

Drehmoment dient nicht nur der Auswertung, sondern oft auch als Regelgröße. Ein stabiles Signal verbessert die reproduzierbare Führung des Prüfstands.

Rauschen, Drift oder Übertragungsunterbrechungen betreffen deshalb nicht nur eine Messreihe. Sie machen auch Aussagen zu Effizienz, Dauerhaltbarkeit und Regelverhalten unsicher.

Anforderungen an die Drehmomentmessung im Prüfstand

Reproduzierbarkeit

Vergleichbare Ergebnisse über viele Läufe und Tage hinweg.

Dynamik

Schnelle Lastwechsel und transiente Vorgänge müssen erfasst und dürfen nicht weggemittelt werden.

Drehzahlfestigkeit

Die Übertragung darf bei hohen oder stark wechselnden Drehzahlen nicht selbst zur Fehlerquelle werden.

Dauerlauffähigkeit

Betriebsfestigkeitsprüfungen laufen über Stunden, Tage oder Wochen ohne geplante Wartungsstopps an der Messkette.

Umgebungsfestigkeit

Öl, Temperatur, Vibration und elektromagnetische Störungen gehören häufig zum Normalbetrieb.

Integrierbarkeit

Messdaten müssen je nach System analog oder über CAN-Bus in die Prüfstandsautomatisierung gelangen.

Kombinierte Messgrößen

Drehmoment wird häufig zusammen mit Temperatur und Drehzahl ausgewertet.

Messprinzipien für Drehmoment im Prüfstand

Für Drehmomentmessungen an rotierenden Prüfstandswellen sind vor allem zwei Architekturen relevant.

DMS-Messung mit kontaktierender Signalübertragung

Dehnungsmessstreifen erfassen die Torsion. Das Signal wird über mechanische Schleifkontakte von der rotierenden auf die stationäre Seite übertragen. Für einfache, gut zugängliche Kurzzeitaufbauten kann das ausreichen. Bei Dauerläufen, hohen Drehzahlen und rauen Bedingungen werden Verschleiß, Kontaktwiderstände und Wartungsaufwand jedoch zum Betriebsrisiko.

Kontaktlose DMS-Telemetrie

Die DMS sitzen direkt auf der Welle. Das Signal wird auf der rotierenden Seite digitalisiert und anschließend berührungslos übertragen. Energie und Daten laufen kontaktlos zwischen Rotor- und Statorseite — ohne Schleifkontakte und ohne Batterie auf der Welle.

Daneben existieren Sonderverfahren wie magnetoelastische oder optische Prinzipien mit jeweils eigenen Einsatzgrenzen. Für viele Prüfstandsaufgaben in Automotive, E-Mobilität und Maschinenbau steht in der Praxis vor allem die Entscheidung zwischen kontaktierender Übertragung und kontaktloser Telemetrie im Vordergrund.

Warum kontaktlose DMS-Telemetrie im Prüfstand überzeugt

DMS-Applikation auf einer rotierenden Messwelle

Verschleißfreie Übertragung

Ohne Bürsten und Schleifkontakte entfällt die mechanische Kontaktstelle, die bei Dauerläufen zum Wartungsfaktor werden kann.

Dauerlauf ohne geplante Kontaktwartung

Keine regelmäßige Kontaktreinigung oder Bürstenkontrolle an der Signalübertragung.

Kurzer analoger Signalweg

Kleine DMS-Signale werden direkt auf der Welle digitalisiert, bevor sie elektromagnetische Störungen auf längeren analogen Leitungswegen aufnehmen können.

Robuste Architektur

Die kontaktlose Kopplung vermeidet eine mechanische Kontaktzone, die bei Drehzahl, Öl, Vibration und Temperaturwechseln kritisch werden kann.

Kombinierbare Messgrößen

Drehmoment und Temperatur lassen sich je nach Aufgabe mit kombinierten oder ergänzenden Systemen im selben Lastpfad erfassen.

Typische Prüfstands-Szenarien

E-Motoren- und E-Antriebsprüfstand

Dynamische Lastwechsel, hohe Drehzahlen und EMV-Belastung treffen aufeinander. J1DB oder J2D bringen die Signalaufbereitung auf die Welle; J2DT, JXTH oder AT10 ergänzen bei Bedarf Temperaturdaten.

Getriebeprüfstand

Für Wirkungsgrad- und Verlustbetrachtungen werden häufig Eingangs- und Ausgangsdrehmoment benötigt. Mehrkanalige oder mehrere Telemetriesysteme bilden die erforderlichen Messkanäle passend zum mechanischen Aufbau ab.

Antriebsstrangprüfstand

Drehmoment wird entlang des realen Lastpfads über lange Laufzeiten und wechselnde Betriebspunkte erfasst. Verschleißfreie Übertragung reduziert geplante Eingriffe in die Messkette.

Komponenten- und Dauerlaufprüfstand

Bei Betriebsfestigkeitsversuchen ist die Verfügbarkeit der Messkette ein direkter Termin- und Kostenfaktor. Ein gestörter Kontakt kann einen vollständigen Prüfstandslauf beeinträchtigen.

AXON unterstützt die Prüfstandsaufgabe außerdem mit DMS-Applikation auf Messwellen und Messwellen-Applikation.

Integration in die Prüfstandsumgebung

Eine Prüfstandsmessung endet nicht am Sensor. Die Daten müssen zuverlässig in Datenerfassung und Automatisierung gelangen. Ein typisches AXON-Telemetriesystem besteht aus drei Komponenten.

Rotor Unit

Sitzt auf der Welle, versorgt die DMS-Brücke, erfasst das Signal und digitalisiert es direkt am Messort. Beim J1DB erfolgt die DMS-Übertragung mit 16-Bit-Auflösung.

Stator Unit

Versorgt den Rotor berührungslos mit Energie und empfängt die Messdaten. Beim J1DB und JXTH nennen die Produktdaten Übertragungsdistanzen von 1 bis 80 mm; andere Systeme haben andere Werte.

Control Unit

Verarbeitet die empfangenen Daten und gibt sie je nach System analog oder über CAN-Bus weiter. Systemparameter wie Rotorversorgung und Signalqualität unterstützen die Diagnose im Dauerlauf.

Die empfindliche Signalaufbereitung bleibt nahe am Messort, während etablierte Schnittstellen die Verbindung zur stationären Prüfstandsumgebung herstellen.

Auswahlfragen vor der Applikation

Diese Angaben bestimmen die Auslegung der Messkette:

  1. 1Prüfstandstyp: E-Motor, Getriebe, Antriebsstrang, Komponente, Verbrenner oder Hybrid
  2. 2erwarteter Drehmoment- und Drehzahlbereich sowie deren Dynamik
  3. 3Prüfdauer: Einzelversuch, Tageslauf oder Dauerlauf über Wochen
  4. 4Umgebung: Öl, Temperatur, Vibration und EMV-Belastung
  5. 5Anzahl und Position der Messstellen, etwa Getriebeeingang und -ausgang
  6. 6zusätzliche Temperaturmessung im selben Lastpfad
  7. 7benötigte Schnittstelle zur Automatisierung
  8. 8Zugänglichkeit der Messstelle nach dem Aufbau

Je stärker Dauerlauf, wechselnde Drehzahl, raue Umgebung und eingeschränkte Zugänglichkeit die Aufgabe prägen, desto mehr spricht für eine kontaktlose Telemetrie-Architektur.

Drehmoment im Prüfstand verlässlich erfassen

Im Prüfstand ist Drehmoment die Grundlage für Aussagen zu Effizienz, Lastverhalten und Lebensdauer. Entscheidend ist nicht der einzelne Messwert, sondern eine Messkette, die über die gesamte Prüfdauer reproduzierbar und störungsfest bleibt.

Schleifringe können für einfache, gut zugängliche Kurzzeitaufbauten genügen. Bei Dauerläufen, hohen Drehzahlen, rauen Umgebungen oder eingeschränkter Zugänglichkeit bietet kontaktlose DMS-Telemetrie die robustere Architektur: Signal auf der Welle erfassen und digitalisieren, berührungslos mit Energie versorgen und sauber an die Prüfstandsautomatisierung übergeben.

Häufige Fragen

Welches Messprinzip eignet sich für einen Dauerlaufprüfstand?

Für Dauerläufe ist kontaktlose DMS-Telemetrie häufig die bessere Wahl, weil sie ohne verschleißende Schleifkontakte und ohne Batteriewechsel auf der Welle auskommt. Schleifringe können bei kurzen, gut zugänglichen Versuchen ausreichen.

Wie kommt das Drehmomentsignal in die Prüfstandsautomatisierung?

Die Control Unit bereitet die kontaktlos empfangenen Daten auf und gibt sie je nach System analog oder über CAN-Bus an Datenerfassung oder Prüfstandssteuerung weiter.

Kann an mehreren Stellen gleichzeitig gemessen werden?

Ja. Für Wirkungsgrad- und Verlustbetrachtungen werden häufig mehrere Messkanäle oder Messstellen genutzt. Je nach Aufbau kommen mehrkanalige Systeme oder mehrere Telemetriesysteme zum Einsatz.

Lässt sich Temperatur zusammen mit dem Drehmoment erfassen?

Ja. J2DT kombiniert einen DMS- und einen Temperaturkanal. JXTH und AT10 ergänzen die Messkette um mehrkanalige Temperaturerfassung.

Können bestehende Prüfstandswellen umgerüstet werden?

Häufig ja. Ob eine vorhandene Welle geeignet ist, hängt von Geometrie, Werkstoff, Bauraum, Belastung und Umgebungsbedingungen ab. AXON prüft die DMS-Applikation sowie die Integration von Rotor, Stator und Control Unit für den konkreten Aufbau.

Welche Angaben braucht AXON für eine erste Einschätzung?

Hilfreich sind Prüfstandstyp, Wellengeometrie, Drehmoment- und Drehzahlbereich, Temperaturbereich, Medienkontakt, verfügbarer Bauraum und die gewünschte Schnittstelle.

AXON Systems Telemetry Background

Drehmomentmessung für Ihren Prüfstand auslegen

Prüfobjekt, Drehmoment- und Drehzahlbereich, Temperatur, Bauraum und gewünschte Schnittstelle reichen für eine erste technische Einschätzung.