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Technologie-Grundlagen

Kontaktlose Drehmomentmessung — Funktionsweise, Verfahren und industrielle Anwendungen

Drehmoment ist die Wahrheitsgröße im Antriebsstrang. Kontaktlose Telemetrie erfasst sie direkt auf der rotierenden Welle — ohne Schleifringe, ohne Batterien und ohne mechanischen Signalabgriff.

DMS-Messung direkt auf der rotierenden Welle

Induktive Energieversorgung statt Batterie oder Schleifring

Digitale Signalerfassung auf der Welle

Anwendungen in Automotive, Prüfstand und Industrie

Grundprinzip

Was ist kontaktlose Drehmomentmessung?

Bei der kontaktlosen Drehmomentmessung wird das an einer rotierenden Welle anliegende Drehmoment erfasst, ohne dass ein mechanischer Kontakt zwischen dem rotierenden Messteil und der feststehenden Auswerteeinheit besteht.

Das bewährte Sensorprinzip bleibt der Dehnungsmessstreifen: Unter Torsion verformt sich die Welle minimal, der DMS verändert seinen elektrischen Widerstand, und daraus wird das Drehmoment berechnet. Der Fortschritt liegt in Energieversorgung, Digitalisierung und Datenübertragung.

Bei der telemetrischen Drehmomentmessung versorgt eine Stator-Antenne die Rotor-Elektronik induktiv. Gleichzeitig sendet die Rotor Unit digitalisierte Messdaten an die Control Unit zurück. Keine Bürsten, keine Schleifkontakte, keine Batterie.

Dehnungsmessstreifen-Applikation auf einer Messwelle für Drehmomentmessung
DMS-Applikation und Telemetrie-Auslegung gehören zusammen: Das Sensorsignal entsteht direkt auf der rotierenden Messstelle.

Rotor Unit

Sitzt direkt auf der Welle, versorgt die DMS, erfasst Sensorsignale und digitalisiert sie auf der rotierenden Messstelle.

Stator Unit

Erzeugt das induktive Feld zur Energieversorgung und empfängt die digital übertragenen Messdaten kontaktlos.

Control Unit

Regelt die Energieversorgung, verarbeitet Daten und stellt Messwerte analog oder über CAN-Bus für Prüfstand und Fahrzeug bereit.

Schleifring vs. Telemetrie

Messverfahren im Vergleich

Für industrielle Messaufgaben zählen nicht nur Laborwerte, sondern Verhalten bei Drehzahl, Öl, Temperatur, Relativbewegung und Wartung.

AXON Stator Unit als kontaktlose Schnittstelle zur Rotor-Telemetrie
Kontaktlose Telemetrie trennt die rotierende Messstelle und die stationäre Auswertung ohne mechanischen Signalabgriff.
Empfehlung für rotierende Wellen

Telemetrie mit DMS

Prinzip
DMS auf der Welle + induktive Energie- und Datenübertragung
Stärke
Sehr präzise, wartungsfrei, robust bei hohen Drehzahlen
Grenze
Auslegung und Applikation müssen zur konkreten Welle passen
Einsatz
Automotive, Prüfstand, Dauererprobung, Maschinenbau

Schleifring

Prinzip
DMS-Signal über mechanische Kontakte
Stärke
Bekanntes Verfahren für saubere Laborbedingungen
Grenze
Verschleiß, Signalrauschen und Wartung bei realen Umgebungen
Einsatz
Moderate Drehzahlen, kurze Tests, einfache Laboraufbauten

Magnetoelastisch

Prinzip
Änderung magnetischer Eigenschaften unter mechanischer Spannung
Stärke
Kontaktlos und ohne applizierte DMS
Grenze
Nur für geeignete Wellenwerkstoffe und meist weniger frei parametrierbar
Einsatz
Seriennahe Anwendungen und Condition Monitoring

Optisch

Prinzip
Torsion über Lichtsignale oder Phasenverschiebung
Stärke
Theoretisch präzise in sehr sauberer Umgebung
Grenze
Empfindlich gegen Verschmutzung, Ölnebel und Vibration
Einsatz
Forschung und saubere Spezialaufbauten

Vorteile kontaktloser Telemetrie

Wartungsfrei

Keine Bürsten, keine Schleifkontakte, kein mechanischer Abrieb — wichtig für Dauerläufe und Langzeitversuche.

Hohe Drehzahlen

Induktive Telemetrie vermeidet die mechanischen Grenzen klassischer Schleifringe bei dynamischen Antriebssträngen.

Robust im realen Umfeld

Öl, Feuchtigkeit, Temperatur, Verschmutzung und Vibration werden bei Applikation und Schutzaufbau mitgedacht.

Keine Batterien

Die Rotor Unit wird induktiv versorgt. Batteriewechsel und batteriebedingte Messausfälle entfallen.

Anti-EMV für E-Antriebe

Messungen nahe Wechselrichter und Hochvoltumgebung benötigen störresistente Datenübertragung.

On-Shaft-Digitalisierung

Kleinstsignale werden direkt auf der Welle digitalisiert, bevor sie kontaktlos übertragen werden.

Toleranz bei Luftspalt

Große Übertragungsabstände helfen bei Relativbewegungen zwischen Rotor und Stator.

Betriebsdaten sichtbar

Temperatur, Versorgung und Signalqualität helfen, die Messkette während des Tests zu beurteilen.

Anwendungen

Typische Anwendungen

Kontaktlose Drehmomentmessung ist besonders stark, wenn die Messstelle rotiert, schwer zugänglich ist oder über lange Zeit stabil laufen muss.

Maschinenbau-Fertigung mit schweren Industriekomponenten und Antriebstechnik
Maschinenbau

Maschinenbau & Industrieantriebe

Drehmomentverläufe helfen bei Lastkollektiven, Condition Monitoring und der frühzeitigen Erkennung von Verschleiß oder Fehlausrichtung.

Windkraftanlagen als Anwendung für robuste Drehmoment- und Lastmessung
Windkraft

Windkraft, Luft- & Raumfahrt

Große Lasten, Relativbewegungen und hohe Dokumentationsanforderungen verlangen robuste Messketten mit nachvollziehbaren Betriebsparametern.

Von der Messaufgabe zur einsatzbereiten Lösung

AXON versteht Drehmomentmessung nicht als einzelnes Bauteil, sondern als abgestimmte Messkette aus Sensor, Telemetrie, mechanischer Integration und Kalibrierung.

Messwellen und rotierende Bauteile für industrielle Drehmomentmessung
Messwelle, Rotor Unit, Statorposition und Schnittstelle müssen mechanisch und elektrisch zusammenpassen.

1. Messaufgabe definieren

Welle, Drehzahlbereich, Drehmomentbereich, Temperatur, Medienkontakt, Bauraum und gewünschte Schnittstellen klären.

2. DMS und Telemetrie auslegen

DMS, Rotor Unit, Antennen, Control Unit und Schutzaufbau passend zur Anwendung auswählen.

3. Mechanisch integrieren

Rotor- und Statorseite so positionieren, dass Energieversorgung, Datenübertragung und Einbauraum zusammenpassen.

4. Kalibrieren und in Betrieb nehmen

Messkette prüfen, kalibrieren, dokumentieren und für Prüfstand, Fahrzeug oder Maschine übergeben.

Häufige Fragen zur kontaktlosen Drehmomentmessung

Warum ist kontaktlose Drehmomentmessung robuster als ein Schleifring?

Weil Energie und Daten ohne mechanische Kontakte übertragen werden. Es gibt keine Bürsten, keinen Kontaktverschleiß und weniger Störeinflüsse durch Übergangswiderstände.

Wird das Drehmoment direkt gemessen?

Gemessen wird die Torsion der Welle über Dehnungsmessstreifen. Aus der Dehnung wird das Drehmoment über Kalibrierung und Messkette bestimmt.

Welche Daten braucht AXON für eine Auslegung?

Hilfreich sind Wellen- oder Bauteildaten, erwarteter Drehmomentbereich, Drehzahl, Bauraum, Temperatur, Medienkontakt und gewünschte Schnittstelle zum Prüfstand oder Fahrzeug.

AXON Systems Telemetry Background

Drehmomentmessung für Ihre rotierende Anwendung planen

Beschreiben Sie Welle, Bauraum, Drehzahl, Temperatur und Schnittstelle. AXON prüft, welche Telemetrie- und DMS-Applikation sinnvoll ist.